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Kurzbeschreibung der 11 Maßnahmen

Gestaltung öffentlicher Grünflächen

Bei der Gestaltung öffentlicher Grünflächen in den Gemeinden sollen bei Neuanlage oder auch bei Umgestaltung zukünftig besonders die Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt werden. Durch die prognostizierten höheren Temperaturen steigt die Verdunstung und somit wird die Bodentrockenheit zunehmen. Starkregenereignisse werden zunehmen, die punktuell großen Wassermengen werden vom Boden nur teilweise aufgenommen und fließen zum Großteil ab, wobei es auch zur Auswaschung von Boden und Nährstoffen kommt. Ein vermehrtes Auftreten von Schädlingen bei geschwächten Pflanzen ist zu befürchten. Der Einsatz von Bäumen als zukünftige Schattenspender bei der Gestaltung von Grünflächen bei Spielplätzen, Haltestellen oder auch in Ortszentren, kann das Mikroklima positiv beeinflussen. Die öffentlichen Grünflächen sollen zukünftig möglichst pflegeextensiv und trockenheitsbeständig gestaltet werden und die Pflanzung von Bäumen als wichtiger Faktor für ein verbessertes Mikroklima nach Möglichkeit forciert werden. Das vorhandene Angebot von Sitzplätzen unter Schattenbäumen soll in die Betrachtung einfließen und bei Bedarf erweitert werden.

 

Regenwassermanagement öffentliche Parkplätze und Verkehrsflächen

Die bisher übliche Praxis im Bereich der Gestaltung öffentlicher Parkplätze und auch bei Verkehrsflächen, war großflächige Versiegelung und Ableitung des Regenwassers direkt in die Kanalisation. Besonders in jenen Gemeinden, die beim Kanal ein Mischwassersystem betreiben, ist dies problematisch, da bei größeren Regenereignissen, die Kläranlage die Wassermassen nicht bewältigen kann. Zukünftig sollen neu geplante Parkplätze und auch Verkehrsflächen so gestaltet werden, dass möglichst viel Wasser direkt oder ortsnah versickern kann und möglichst wenig Wasser in die Kanalisation abfließt. Dies ist nicht nur positiv für das Kleinklima sondern auch eine deutliche Entlastung der Kläranlagen. Im Rahmen der Maßnahme soll auch eine Überprüfung bestehender Parkplätze stattfinden, ob mit geringen Mitteln Verbesserungen bei der Regenwassersituation geschaffen werden können. Um sich ein besseres Bild über die Möglichkeiten der naturnahen Oberflächenentwässerung machen zu können, welche Gestaltungsmöglichkeiten sich anbieten und welche weiteren positiven Entwicklungen sich dadurch ergeben können, soll eine Exkursion zu bereits umgesetzten Projekten durchgeführt werden, bevorzugt solche, die schon mehrere Jahre bestehen, da sich dann die Möglichkeit ergibt, sich über die Erfahrungen und den tatsächlichen Pflegeaufwand zu informieren und auch ob zusätzliche positive Effekte eingetreten sind.

 

Niederschlag: Rückhaltemaßnahmen auf Gemeindeebene

Die Niederschlagsmengen werden in der Region Waldviertler Hochland laut Prognose leicht ansteigen, wobei sich die Verteilung der Niederschläge aber ändern wird. Vermehrte Starkregenereignisse sind zu erwarten. Diese bereiten lokal begrenzt oft große Probleme, vor allen dort, wo kleine Bäche durch Orte führen und die plötzlich großen Wassermassen nicht fassen können und über die Ufer treten. Schäden durch Bodenerosion oder auch durch Wassereintritt in Gebäude sind oft die Folge. Vermehrte Einsätze der freiwilligen Feuerwehren um kurzfristig Schutzmaßnahmen einzuleiten und Keller auszupumpen sind notwendig. Mit der Maßnahme sollen die problematischen Gebiete erhoben werden und eine Einschätzung der Dringlichkeit vorgenommen werden. Ist ein Rückhaltebecken gebaut, so muss es auch gepflegt werden. Dafür soll im Rahmen der Maßnahme auf Grundlage der NÖ Betriebsvorschriften für Hochwasserschutzbauen ein auf die regionalen Bedürfnisse abgestimmtes Pflegekonzept erstellt werden, wie dies mit möglichst wenig Aufwand zufriedenstellend durchführbar ist, beruhend auf Erfahrungen in anderen Gemeinden.

 

Wasserversorgung in Problemgebieten

Die Wasserversorgung im Waldviertler Hochland prägen Hausbrunnen und kleine örtliche Genossenschaften oder kommunale Wasserversorgungsanlagen. Durch weniger Niederschlag und höhere Temperaturen über mehrere Jahre, hat sich die Versorgung mit Trinkwasser durch Hausbrunnen in einigen Gebieten dramatisch verschlechtert. Betroffen sind neben Landwirten und Privathaushalten aber auch schon Gemeinden. Zurzeit werden viele Brunnen gegraben bzw. Tiefenbohrungen durchgeführt. In der Broschüre Wasserzukunft Niederösterreich 2050 ist zu lesen, dass der Wasserverbrauch pro Kopf (Hauptwohnsitz) und Tag von 153 auf 195 Liter im ländlichen Raum steigen wird. Der prognostizierte steigende Pro-Kopf-Bedarf in ländlichen Gemeinden und in ländlichen Zentren überwiegt gegenüber der leicht rückläufigen Bevölkerungszahl, sodass insgesamt noch mit geringen Zuwächsen zu rechnen ist. Trotz des theoretisch ausreichenden Dargebots an Wasser ist Nutzung lokaler Ressourcen oft technisch-wirtschaftlich nicht zielführend oder möglich. Eine genaue Erhebung der betroffenen Gebiete soll einen Überblick verschaffen, wo die dringlichsten Problemgebiete liegen und Lösungsansätze mit den Betroffenen erarbeitet werden.

 

Wasserhaushalt in der Landschaft

Die zunehmende Bodentrockenheit und das Absinken des Grundwasserspiegels stellen auch im Waldviertler Hochland zunehmend ein Problem dar. Obwohl für die Region keine Verringerung der Niederschlagsmenge prognostiziert ist, erhöht sich durch die steigenden Temperaturen die Verdunstung, häufigere Starkregen fließen schnell ab und versickern nur zu einem kleinen Teil. Je mehr Wasser in der Landschaft, besonders bei Starkregenereignissen, gehalten werden kann und zum langsamen Versickern gebracht wird, desto besser für das Kleinklima und den Grundwasserspiegel. Bei der Anlage von Landschaftsteichen gibt es aber auch behördliche Auflagen zu erfüllen. In Gesprächen mit GrundbesitzerInnen, die Interesse an der Anlage eines Landschaftsteiches zeigen, zeigt sich aber, dass eine große Hemmschwelle bezüglich der Behördenwege vorhanden ist, beziehungsweise die Meinung vorherrscht, dass eine Genehmigung nur schwer zu bekommen ist. Um hier Aufklärung und Unterstützung anzubieten, ist ein Infoblatt geplant, das alle notwendigen Schritte für die Anlage eines Landschaftsteiches zusammenfasst, der wichtigste Teil ist dabei die Auflistung der regionalen Ansprechpersonen und Informationen über mögliche Förderungen für ebensolche Projekte. Als erster Schritt ist ein Gesprächstermin der Bürgermeister des Waldviertler Hochlandes mit der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, Abteilung Wasserrecht geplant, um grundsätzliche Vorgaben abzuklären. Im weiteren Verlauf sollen dann über Themenabende und die Gemeindezeitungen GrundbesitzerInnen zur Anlage von Landschaftsteichen angeregt werden.

 

Anpassung Waldbestände, Naturverjüngung

Das Waldviertler Hochland hat einen hohen Anteil an Fichtenbeständen, was in der Vergangenheit kein Problem darstellte. Durch die höheren Temperaturen steigt jedoch die Verdunstung bei etwa gleichbleibenden Niederschlägen, die dadurch entstehende Bodentrockenheit setzt den heimischen Wäldern stark zu. Den so geschwächten Wäldern, vor allem den Fichtenwäldern, setzten Wetterextreme (Sturm, Schnee), Wildverbiss und vor allem der Borkenkäfer stark zu und stellen weitere Gefahren für den Wald dar. Nicht nur die Fichte, auch andere Baumarten haben mit der derzeitigen Situation zu kämpfen. Gepflanzt wurde in der Vergangenheit in unserer Region fast ausschließlich die Fichte, oft in Monokulturen. Der Umbau dieser Waldbestände in widerstandsfähigere Mischwälder nimmt viel Zeit in Anspruch, soll aber durch Beratungen der WaldbesitzerInnen über Naturverjüngung und an den Klimawandel angepasste Baumartenauswahl vorangetrieben werden.

 

Waldlehrpfad Langschlag

In Langschlag ist schon seit vielen Jahren auf einer Strecke von etwa 5 km ein sehr umfangreicher Waldlehrpfad vorhanden. Auf etwa 30 Tafeln werden Bäume und Sträucher vorgestellt. Gerade in Zeiten des Klimawandels erscheint es sinnvoll, diesem Waldlehrpfad als zusätzliche Informationsquelle für die Bevölkerung zu etablieren, aber auch die touristische Nutzung zu fördern. Dafür sollen jene Tafeln, die Baumarten darstellen dahingehend erweitert werden, dass die Nutzungsmöglichkeiten des Holzes jeder Baumart ergänzt bzw. hinzugefügt werden. Die Betrachtung der einzelnen Baumarten in Hinblick auf den Klimawandel (Anpassungsfähigkeit, Widerstandskraft, Zukunftschancen) ist ein weiterer und besonders wichtiger Ergänzungstext. Um ein einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten, wird es aber voraussichtlich notwendig sein, alle Tafeln zu erneuern, dies wird sich im Projektverlauf zeigen. Der Waldlehrpfad soll dadurch noch attraktiver werden, nicht nur für die einheimische Bevölkerung, sondern auch für die touristische Nutzung. Geführte Wanderungen mit WaldpädagogInnen sollen angeboten werden. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit besteht für die Schulen in der Region als Exkursionsziel oder auch einfach als lehrreicher Wandertag. Mit einem Lehrgang für Waldpädagogik sollen zusätzliche WaldpädagogInnen ausgebildet und somit für das Projekt zur Verfügung stehen.

 

Heimisches Holz – Imagekampagne

Unsere heimischen Wälder werden sich zukünftig verändern. Fichte und Föhre sind derzeit der Hauptanteil in den heimischen Wäldern, besonders die Fichte ist stark unter Druck. Welche Baumarten zukünftig tatsächlich unseren Wald prägen werden, darüber kann derzeit niemand konkrete Aussagen machen. Die Fichte ist derzeit die wirtschaftlich interessanteste Baumart in der Verarbeitung, es wird aber zukünftig notwendig sein, auch andere Baumarten in die Verarbeitungsketten einzuplanen. Mit einem Waldanteil von über 50 % in Waldviertler Hochland sind für viele Land- und ForstwirtInnen gute Absatzmöglichkeiten eine Existenzfrage. Inwieweit sich die Holzverarbeitende Industrie, die bevorzugt Fichte verarbeitet auf andere Hölzer umstellt, bleibt abzuwarten. Es muss aber auch zukünftig möglich sein aus den klimawandelangepassten Wäldern ein Einkommen zu erzielen. Mit einer Imagekampagne für heimisches Holz, soll das Bewusstsein für die Verwendung von heimischem Holz, unabhängig von der Baumart innerhalb der Region gesteigert werden. Regionale Verarbeitung schont das Klima und erhöht die Wertschöpfung in der Region. Gerade im Möbelbereich ist zu beobachten, dass Hölzer sehr stark Modetrends unterliegen. Die Imagekampagne ist ein Versuch hier gegenzusteuern und in der Bevölkerung das Bewusstsein zu schaffen, das heimisches Holz am nachhaltigsten ist, optisch keine Wünsche offen lässt und sich für viele Verwendungsmöglichkeiten anbietet, dies wird sich auch bei neuen Baumarten in unseren Wäldern nicht ändern. Für die Kennzeichnung von Holz aus dem Waldviertler Hochland wird ein eigenes Logo entwickelt, mit dem Produkte aus „Waldviertler Hochland Holz“ gekennzeichnet werden und somit noch stärker in den Vordergrund rücken.

 

Gesundheit und Erholungsnutzen Wald

Trotz des Temperaturanstieges wird das Waldviertler Hochland eine kühlere Region bleiben. Auch sehr hohe Tagestemperaturen werden durch relativ kühle Nächte, es sind auch zukünftig keine Tropennächte prognostiziert, abgefedert. Es gibt aber auch hier gefährdete Personengruppen, vor allem alte oder kranke Personen und Kleinkinder haben mit den höheren Temperaturen zu kämpfen. Es kommt verstärkt zu großen Temperaturschwankungen, die gesundheitlich angeschlagene Menschen zusätzlich stark belasten. Auch an heißen Tagen herrschen im Wald etwas niedrigere Temperaturen. Es ist erwiesen, dass der Wald eine positive Wirkung auf Psyche, Gehirn- und Nervensystem und Immunsystem hat, in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Es soll ein verstärkter Focus auf den Gesundheitsnutzen des Waldes gelegt werden, insbesondere auch aus touristischer Sicht, da dies für hitzegeplagte Städter eine wertvolle Erholung darstellen kann.

 

Schule und Klimawandel

Die SchülerInnen von heute werden die Auswirkungen des Klimawandels spüren und mit den Folgen zurechtkommen müssen. Daher ist es besonders wichtig, auch bei Ihnen ein erhöhtes Bewusstsein für Klimawandelanpassung und Klimaschutz zu schaffen. Als Exkursionsziel wird sich der neu gestaltete Waldlehrpfad anbieten, der dann einen guten Einblick in das Thema Wald und Klimawandel gibt, am besten bei einer geführten Wanderung mit einem Waldpädagogen. Ein Zeichenwettbewerb zum Thema Klimawandel soll einen künstlerischen Zugang schaffen. Mit einer Ausstellung der Werke im Dorfmuseum Roiten sollten auch Eltern, Geschwister usw. angeregt werden sich mit dem Thema zu befassen.

 

Öffentlichkeitsarbeit

In der Bevölkerung ist derzeit die Regionsbezeichnung Waldviertler Hochland nicht sehr bekannt. Die Modellregion KLAR! Alles KLAR im Waldviertler Hochland sowie die geplanten Maßnahmen und das Bewusstsein über die Notwendigkeit von Anpassungen an den Klimawandel sollen mit offensiver Öffentlichkeitsarbeit verstärkt in der Bevölkerung verankert werden.

Ein erster Schritt ist die Erstellung einer Regionswebsite ein zentraler Faktor. Um die Bekanntheit dieser möglichst schnell zu steigern, ist es nötig nicht nur von den Gemeindeseiten Links dorthin zu setzen, sondern es werden auch Betriebe aktiv angesprochen und gebeten, auf die Regionswebsite zu verlinken und umgekehrt, so ergibt sich ein Mehrwert für beide Seiten.

Ebenso muss auch die Reichweite einer Seite in den Sozialen Medien, durch laufende Beiträge offensiv gefördert werden, um die Sichtbarkeit möglichst rasch zu erhöhen. Nur so kann diese auch einen Nutzen für die Bekanntheit der Region, der Maßnahmen und der Bewerbung von Veranstaltungen bringen, je mehr AbonnentInnen desto besser. Bei der Bewerbung von Veranstaltungen wird nicht nur auf Homepage, Gemeindeseiten und Soziale Medien gesetzt, sondern auch auf Plakate und Postwurfsendungen und regionale Medien.

Der gute Kontakt zu AnsprechpartnerInnen der regionalen Medien wird weiter ausgebaut und für die Bewerbung von Veranstaltungen und Berichte genutzt und die Bekanntheit der KLAR! weiter zu steigern.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms KLAR! KlimawandelAnpassungsModellRegionen durchgeführt.